Teehaus Uchihashi-tei am Teich im Kenrokuen in Kanazawa

Ein japanischer Garten ist kein Ort, an dem einfach Pflanzen wachsen. Er ist eine gestaltete Landschaft im Kleinen, in der jeder Stein, jeder Baum und jede Wasserfläche eine Bedeutung hat. Wer die wichtigsten Elemente kennt, sieht diese Gärten mit ganz anderen Augen.

Fels im Teich mit Koi-Karpfen im Kōraku-en in Okayama

Die wichtigsten Gartenformen

  • Wandelgarten (jap. 回遊式庭園 | かいゆうしきていえん): Ein Rundweg führt um einen Teich herum. Hinter jeder Biegung öffnet sich ein neuer, bewusst gestalteter Ausblick. Die großen Landschaftsgärten der Fürsten sind meist so angelegt.
  • Trockengarten (jap. 枯山水 | かれさんすい): Ganz ohne Wasser. Geharkter Kies stellt Wellen und Meer dar, Steine stehen für Inseln oder Berge. Diese Gärten findet man vor allem in Zen-Tempeln. Sie werden nicht betreten, sondern betrachtet.
  • Teegarten (jap. 露地 | ろじ): Ein schmaler, schlichter Weg aus Trittsteinen führt zum Teehaus. Er soll den Gast auf die Teezeremonie einstimmen.

Was die Elemente bedeuten

  • Wasser steht für Leben und Reinheit. Teiche, Bäche und kleine Wasserfälle sind das Herz vieler Gärten. Im Trockengarten übernimmt der geharkte Kies diese Rolle.
  • Steine bilden das Gerüst eines Gartens. Sie stehen für Berge, Inseln oder auch Tiere wie Kraniche und Schildkröten, beides Symbole für ein langes Leben.
  • Kiefern (jap. 松 | まつ) sind immergrün und gelten deshalb als Zeichen für Beständigkeit. Ihre Form wird über Jahrzehnte von Gärtnern geschnitten und gestützt.
  • Steinlaternen (jap. 灯籠 | とうろう) stammen ursprünglich aus Tempeln und spenden symbolisch Licht.
  • Brücken aus Stein oder Holz verbinden nicht nur Ufer, sondern laden zum Innehalten ein.

Ein besonderer Kniff ist das Shakkei (jap. 借景 | しゃっけい), die „geliehene Landschaft“: Berge, Wälder oder eine Burg außerhalb des Gartens werden so in die Gestaltung einbezogen, als wären sie ein Teil davon. Und wie überall in Japan spielt auch hier Ma, der leere Zwischenraum, eine große Rolle.

Steinlaterne unter blühenden Kirschbäumen im Kenrokuen in Kanazawa

Die drei berühmtesten Gärten Japans

Als die „drei großen Gärten Japans“ (jap. 日本三名園 | にほんさんめいえん) gelten der Kenrokuen in Kanazawa, der Kōraku-en in Okayama und der Kairaku-en in Mito. Zwei davon kann man auf einer Rundreise gut einplanen. 

Kenrokuen in Kanazawa

Der Kenrokuen (jap. 兼六園 | けんろくえん) wurde über fast zwei Jahrhunderte von den Fürsten der Maeda-Familie angelegt. Sein Name bedeutet „Garten, der sechs Eigenschaften vereint“: Weite und Abgeschiedenheit, menschliche Gestaltung und Altertümlichkeit, Wasserläufe und Fernblick. Normalerweise schließen sich diese Eigenschaften gegenseitig aus – hier sollen sie alle zusammenkommen.

Das Wahrzeichen des Gartens ist die zweibeinige Steinlaterne Kotoji-tōrō (jap. 徽軫灯籠 | ことじとうろう) am Teich. Im Winter bekommen die Kiefern ein besonderes Kleid: Beim Yukitsuri (jap. 雪吊り | ゆきつり) werden Seile kegelförmig von einem Mast zu den Ästen gespannt, damit diese unter der Schneelast nicht brechen. Mehr zu Kanazawa im Reisebericht 2025.

Teich mit Bogenbrücke, Teehaus und Kiefern im Kōraku-en in Okayama

Kōraku-en in Okayama

Der Kōraku-en (jap. 後楽園 | こうらくえん) wurde um 1700 fertiggestellt. Er ist ein weitläufiger Wandelgarten mit großen Rasenflächen, was für Japan eher ungewöhnlich ist, dazu Teiche, Teehäuser, ein Teefeld und sogar Reisfelder. Ein schönes Beispiel für Shakkei: Die schwarze Burg Okayama auf der anderen Seite des Flusses wirkt wie ein Teil des Gartens.

Mehr dazu im Reisebericht zu Okayama.

Kōko-en in Himeji

Deutlich jünger ist der Kōko-en (jap. 好古園 | こうこえん) direkt neben der Burg Himeji. Er wurde 1992 auf dem Gelände ehemaliger Samurai-Residenzen angelegt und besteht aus neun einzelnen Gärten, die durch Mauern und Tore getrennt sind. So kann man auf kleinem Raum verschiedene Gartenstile entdecken – vom Teichgarten mit Koi-Karpfen über einen Bambusgarten bis zum Teegarten. Ideal, wenn man ohnehin die Burg besucht. Mehr dazu im Reisebericht zu Himeji & Kobe.

Tipps für den Besuch

  • Früh am Morgen kommen. Dann ist es ruhiger und das Licht schöner.
  • Jede Jahreszeit hat ihren Reiz: Pflaumen- und Kirschblüte im Frühling, Iris und frisches Grün im Frühsommer, rotes Laub im Herbst und Schnee auf den Kiefern im Winter.
  • Nicht nur durchlaufen: Gärten sind dafür gemacht, an bestimmten Stellen stehen zu bleiben und den Ausblick zu genießen. Viele haben ein Teehaus, in dem man bei einem Matcha die Aussicht genießen kann.

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